Mittwoch, 28. Januar 2015

Das nächtliche Abstillen

Ich war immer fest davon überzeugt, so lange zu stillen, wie die Elfe gerne möchte. Und ich natürlich. Aber wenn möglich doch lieber so lange, wie sie das braucht. Das beinhaltet für mich natürlich auch die Nächte. Gerade die, da tankt sie Kraft und Nähe. Als sie ganz klein war hatte sie nachts so etwas wie einen Rhythmus, der war mal alle 2-3 Stunden, auch mal häufiger. Das war schon anstrengend, aber ok. Gerade im Wochenbett und den ersten Monaten ist sowieso alles aus den Fugen gehoben. Man versucht zu schlafen, wenn das Baby schläft oder kann nach einer schlechten Nacht den ganzen Tag mit Clusterbaby auf der Couch in Jogginghose lümmeln. Ich will das gar nicht abwerten, ich empfand diese Zeit als sehr kräftezehrend.

Mit 4-6 Monaten wurden die Abstände dann nicht länger, sondern kürzer. Meine Tochter fing mehr und mehr an, mich nachts als Schnuller zu gebrauchen. Die meisten von euch wissen zumindest beim Schnuller, wie das läuft. Baby nuckelt, nuckelt, nuckelt, das gute Stück fällt aus dem Mund, Baby wird wach und ein liebendes Elternteil gibt ihm den Schnuller zurück. Völlig normal, dieses Saugbedürfnis eines Säuglings. Leider aber wirklich kräfte- und nervenzehrend, wenn man dadurch meist gar nicht mehr in den Schlaf findet, sondern nur auf den Moment wartet in dem das Kind abdockt.

Seit die Elfe 1 Jahr alt ist geht sie in die Kita und ich gehe seit September letzen Jahres wieder arbeiten. 5 Stunden täglich. Da interessiert es niemanden, ob man nachts geschlafen hat. Zu Beginn hatte ich keinerlei Probleme, fühlte mich dennoch fit und leistungsfähig. Das Jahr neigte sich dem Ende zu und ich freute mich riesig auf die zwei Wochen Urlaub rund um Weihnachten. Ich wollte gerne zur Ruhe kommen, Kraft tanken und entspannen.

Leider wurden die Nächte noch schlimmer und so langsam stieß ich an meine körperlichen Grenzen. Nicht wirklich verwunderlich nach 17 Monaten in denen ich ungelogen 2 Mal 5 Stunden Schlaf am Stück hatte. Dazu kam wahrscheinlich, dass meine große Erwartungshaltung an diesen Urlaub mich noch unzufriedener machte. Ich war übellaunig, weinerlich und furchtbar zickig. Und müde.

Am letzten Wochenende unseres Urlaubs habe ich dann morgens in der Früh mit Blick auf die kommende Arbeitswoche mein Leid bei Twitter geklagt und ganz ganz viele Ratschläge bekommen. Ich habe dadurch angeregt ein wenig im Internet recherchiert und den ganzen Tag sehr viel nachgedacht. Über meine Erwartungshaltung an mich, darüber wie lange ich das noch so fortführen würde können und darüber, wie lange mein Kind die Nächte in dieser Art wohl noch brauchen würde.

Ich wollte nie meine Bedürfnisse gegen die ihren aufwiegen und mich für mich entscheiden. Ich wollte immer einen Weg finden, wie wir beide gut klar kämen. Trotzdem entschied ich mich dazu, den Versuch zu starten, sie nachts abzustillen. Mit zwei weinenden Augen zwar, aber ich sah keinen anderen Weg. Ich erwartete aber um ehrlich zu sein nichts anderes als dass ich in der Nacht dann doch nach kurzer Zeit einknicken würde. Bisher hatte ich immer mal wieder nachts versucht der Elfe die Brust wegzunehmen um endlich einschlafen zu können. Da wurde sie jedes Mal richtig wild und hysterisch. Das ertrug ich nie länger als 30 Sekunden und ich ließ sie weiter nuckeln.

Mit dieser Erwartung brachte ich sie also ins Bett. Das Einschlafstillen ist mir sehr wichtig also wollte ich das gerne beibehalten. Ich erzählte ihr den ganzen Tag schon immer mal wieder, wir würden nun nachts nicht mehr stillen und nuckeln, sondern schlafen und ganz viel kuscheln. Sie schlief normal ein und später legten wir uns ganz normal zu ihr.

Ich hatte von der Gordon Methode zum sanften Abstillen nachts gelesen und sie wurde mir auch häufiger empfohlen. Allerdings ist unser Problem nicht das Stillen gewesen, sondern das Nuckeln und in dem Moment wo ich sie sanft ablöste war eben sofort totale Panik angesagt. Deswegen wusste ich, dass ich nicht nach einzelnen Phasen vorgehen würde können. Entweder wir würden nachts erst gar nicht mehr stillen oder es würde nicht funktionieren. Außerdem liegt mir bei der Methode der Fokus zu arg darauf, dass das Kind später ganz alleine da liegt und sich ohne Körperkontakt beruhigt. Und das wollte ich gar nicht. Sie sollte sich jegliche Körpernähe nehmen dürfen, die sie braucht. Wenigstens das, wenn ich ihr das geliebte Stillen schon nehme. Allerdings habe ich mich daran gehalten, mir ein ungefähres Zeitfenster zu setzen, in dem ich sie nicht stille. Das liegt zwischen dem Zeitpunkt wo ich ins Bett gehe und 5-6 Uhr ca. Nach dem Einschlafen kann ich zum Glück seit einigen Monaten wieder ins Wohnzimmer gehen. Meist für so 1-2 Stunden.

Nunja, ich schweife ab. Die erste Nacht, ich war total aufgeregt und wie gesagt davon überzeugt nach kürzester Zeit aufzugeben. Sie wurde dann irgendwann wach und wollte natürlich stillen. Ich sprach mit ihr, bot ihr Wasser zu trinken an und dass sie sich an mich kuscheln dürfe. Sie weinte natürlich. Sie schimpfte auch mit mir und fragte immer wieder ob sie stillen dürfe. Aber nicht so hysterisch und verzweifelt wie bei meinen bisherigen verzweifelten nächtlichen Versuchen, ihr die Brust zu entwenden. Ich war dennoch die ganze Zeit kurz davor aufzugeben und litt auch nicht zu knapp. Genauso wie mein Mann natürlich. Nach ca. 10 Minuten nahm sie dann doch die Trinkflasche, trank 2 Schlucke und knallte sich mit dieser in der Hand auf mich. Ihr Kopf lag auf meinem, das Wasser aus der Flasche tropfte mir auf den Hals und sie schlief ein.

Ich konnte es gar nicht fassen. Ich hatte mit mehr Protest als 10-15 Minuten gerechnet. So lag ich fassungslos und auch ein wenig stolz auf mein tolles Mädchen unter ihr. Geschlafen habe ich in dieser Nacht nicht. Sie wurde noch 3-4 Mal wach, motzte jedes Mal kurz und schlief dann weiter. Alles in allem war ich am nächsten Morgen völlig euphorisch. Immer noch müde ohne Ende, aber fürs erste arg zufrieden.

Die folgenden zwei Nächte verliefen ähnlich wie der Rest der ersten Nacht. Also mit kurzem Protest, kuscheln und schlafen. In der 4. Nacht schlief sie durch. Von 23-5 Uhr. Und ich schlief mit, wie ein Stein. Und am nächsten Morgen hatte ich ein schlechtes Gewissen. Wie kann es sein, dass ich der Elfe etwas so Wichtiges nehme und dafür belohnt werde? Natürlich hatte ich mir mehr Schlaf erhofft, aber an durchschlafen hatte ich nicht im Traum gedacht. Auch die nächste Nacht schlief sie bis auf eine Mini-Unterbrechung sehr gut also war das wohl auch keine Ausnahme.

Ich hatte leider keine Zeit mich an diesen Zustand zu gewöhnen, da die Elfe am nächsten Tag eine heftige Magen Darm Sache bekam, die sie eine ganze Woche nichts essen ließ. Natürlich war ich sehr froh darum, dass sie stillen wollte und ließ sie auch nachts an die Brust.

Als das ausgestanden war, war sie wieder im totalen Nuckelmodus und wir begannen von vorne. Das ist nun ca. eine Woche her, leider ist es diesmal etwas schwieriger, da sie vermutlich den letzten Eckzahn bekommt. Heißt, sie wird nachts zur Zeit häufiger wach und würde eigentlich gerne stillen, akzeptiert aber dennoch mit kurzem Zureden, sich an mich zu kuscheln und so weiter zu schlafen. Allerdings ist das morgens zwischen halb 5 und halb 6 irgendwann vorbei, dann will sie einfach was trinken. Dann lasse ich sie auch, obwohl mir das eigentlich zu früh ist. Aber ich sehe momentan keine andere Möglichkeit und es ist trotz allem mehr Schlaf als ich vorher hatte.

Ich bin immer noch etwas zwiegespalten was das alles angeht. Ich muss wohl noch meinen Frieden damit machen, dass ich in diese tolle Stillbeziehung eingreifen musste/meinte zu müssen. Auf der anderen Seite bin ich jedes Mal wieder total glücklich, wenn die Elfe an mich gekuschelt einschläft. Ohne Brust im Mund.


Kommentare:

  1. Mir tut es fast ein bisschen weh, dass du dir Vorwürfe machst. Du nimmst ihr nicht deine Nähe, du redest mit ihr, kuschelst... Mach dir das Leben nicht so schwer, in dem du dir auch noch Vorwürfe machst, weil du sie nachts nicht mehr nuckeln lassen möchtest.
    Ich konnte das nicht mehr als ich wieder arbeiten ging. Sie wachte immer häufiger auf, jede Stunde am Schluss. Mit 13 Monaten habe ich sie abgestillt, habe das so wie du gemacht. Ich hätte mir auch gewünscht, dass sie sich komplett selbst abstillen kann, aber das ging einfach nicht. Da ist so ein kleines bisschen Egoismus schon echt ok.

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    1. Immer wieder interessant, wie viele das doch kennen, dass die Kinder in einer gewissen Phase nahezu stündlich kommen.

      Ich schätze, ein bisschen werde ich es immer schade finden, dass ich es vorzeitig beeinflusst habe. Aber wir haben ja noch die Tage und stillen auch morgens und abends im Bett noch :).

      Außerdem ist es natürlich auch sehr angenehm, endlich mal etwas mehr Schlaf zu bekommen und ich hoffe, sie schläft auch besser, wenn sie nicht ständig auf der Suche nach der Brust erwacht.

      Danke für deine lieben Worte.

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  2. Wieso machst du dir solche Vorwürfe? Du bist unzufrieden mit der Situation und willst selbst zufriedener und glücklicher werden. Also wählst du eine Veränderung. Und das ist gut so! DU bist die Bezugsperson und Erziehungsberechtigte. Du musst das entscheiden! Wieso sollte die Elfe mit etwas aufhören, was sie als angenehm und praktisch empfindet? Abstillen geht eigentlich IMMER von der Mutter aus. Sie ist doch noch viel zu klein solch eine Entscheidung zu treffen. Also musst du das übernehmen. Und du wählst eine Veränderung, die ihr weder Schaden zufügt noch sie im Stich lässt. Sie ist alt genug dafür (ab 6 Monate und Beikostbeginn brauchen Babys nachts keine Milch mehr, zum Nuckeln kann sie Daumen oder Schnuller verwenden) Du begleitest sie liebevoll und bietest ihr Alternativen an. Das ist doch super. Du bist eine gute Mutter! Mach dir nicht zu viele Selbstvorwürfe. Ihr seit auf einem guten Weg!

    Ich glaube, ich muss dringend den Blogartikel zu dem Thema schreiben, den ich schon eine Weile im Kopf habe.

    Sei lieb gegrüßt!

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