Mittwoch, 27. Mai 2015

Ein ganz normaler Mittwoch?

Es ist Mittwoch, ich bringe die Elfe in die Kita und fahre zur Arbeit, bin schon ein bisschen spät dran. Dort angekommen beginne ich zu arbeiten. Nach kurzer Zeit kommt mein Chef rein und bietet mir an, einmal gemeinsam das Objekt anzuschauen, welches ich gerade bearbeite. Natürlich möchte ich das gerne, das macht immer alles etwas leichter, wenn man die Räumlichkeiten mal vor Ort gesehen hat.

Gesagt getan, wir fahren hin, schauen uns das Objekt und noch drei umliegende, die gleichzeitig von uns bearbeitet werden, an. Danach will er sich noch schnell mit einem Bauunternehmer treffen, wo wir schonmal unterwegs sind. Dann schauen wir noch ein weiteres Objekt in der Bauphase an und zum Schluss soll ich noch einen Geschäftspartner kennen lernen. Mittlerweile ist es doch schon recht spät und ich merke, dass ich wohl heute nichts mehr von meiner Arbeit geschafft bekomme. Außerdem hatte ich endlich meinen Kuchen zum Einstand gebacken, den ich gerne noch mit den Kollegen essen wollte. Der Chef will kurz alleine mit dem Geschäftspartner reden und ich sitze etwas deplatziert im Büro von dessen Mitarbeiter herum und gehe nach fünfzehn Minuten lieber vor die Tür in die Sonne.

Dort fällt mir dann auf, dass mein Handy-Akku so gut wie leer ist, langsam bin ich auch echt etwas verärgert, weil es nun nur noch zwanzig Minuten bis zu meinem regulären Feierabend sind, vom Chef keine Spur, ich habe Hunger, das Handy geht aus. Was nun, wenn die Kita anruft? Nach einer weiteren viertel Stunde sind die zwei endlich durch und wir können los. Im Büro angekommen hatten die Kollegen meinen Kuchen schon angeschnitten und zu großen Teilen verputzt. Unter normalen Umständen hätte ich darüber gelacht, in dem Moment war ich irgendwie angefressen, habe mir ein ganzes viertel auf einen Teller geladen und mich an meinen Arbeitsplatz gesetzt. Handy ans Kabel, noch schnell Emails lesen und dann los nach Hause. Es ist 14:10 Uhr und ich brauche noch 30 Minuten mit dem Auto. So gegen drei hole ich die Elfe immer ab.

Ich schalte mein Handy an, während ich den Kuchen schaufel. Es klingelt, der Mann, die Kita hat ihn angerufen. Heute ist der eine Mittwoch im Monat an dem die Kita um 14 Uhr schließt, weil nachmittags Teambesprechung ist. Er fragt, ob er nun früher Feierabend machen soll. Die Elfe würde nun mit in die Besprechung genommen. Ich fluche (laut) und sage, dass ich sofort los fahre und er bleiben kann. Auf fünf Minuten kommt es nun auch nicht mehr an.

Also hole ich die Elfe irgendwann vor 15 Uhr aus einem Raum von ca. 16-20 Erzieherinnen. Ich schäme mich in Grund und Boden, die Kleine sitzt stolz auf dem Schoß einer Erzieherin und futtert Kekse. Ich entschuldige mich mehrfach und verlasse fluchtartig die Kita.

Zu Hause fordert die Elfe spätestens beim Schuhe ausziehen lautstark "trinkeeee waaaaas" und fängt sofort an zu weinen, weil es ihr nicht schnell genug geht. Das Problem haben wir leider jeden Tag nach der Kita. Dort will sie nicht weg, aber sobald wir zu Hause sind brechen Erschöpfung und Mama-Vermissen über sie hinein und sie will nur noch eins: Stillen! Deswegen ist unser erster Gang immer auf die Couch, kuscheln und trinken bis sie wieder aufgetankt hat. Heute schläft sie dabei ein. Wahrscheinlich wurde ihr Mittagsschlaf vorzeitig beendet, weil man davon ausging, sie würde mit allen anderen um 14 Uhr geholt.


Mir ist es recht, ich kann eine kurze Verschnaufpause wirklich gebrauchen. Ich versuche sie nach einer Weile behutsam abzulegen. Leider wird sie wach und weint ganz bitterlich. Also lege ich mich wieder mit ihr hin, sie darf weiter trinken und döst wieder weg. Irgendwann muss ich dann aber leider wirklich mal für kleine maedchen und winde mich aus ihrer Umarmung und siehe da, sie schläft weiter. Aber schon bevor ich wieder zurück von der Toilette bin ist sie wieder wach und ganz untröstlich. Und ich bin genervt. Noch keine zwei Sekunden für mich. Geschweige denn einem Mittagessen und dann ein so unzufriedenes Kind. Aaaaaaaaah.

Irgendwie bekomme ich ihre übervolle Windel gewechselt und beginne die Windeln, die sie in der Kita anhatte auszuwaschen. Natürlich steht sie sofort neben mir und fordert "Arm" und beginnt auch gleich schon wieder zu weinen. Ich erkläre ihr, dass es nicht lange dauert, ich gerade dreckige und nasse Hände habe und wir gleich wieder schmusen können. Aber nichts hilft. Tja und dann passiert es , ich blaffe sie an, warum sie so heult und dass ich ihr doch gesagt hätte, dass es gerade nicht geht aber gar nicht lange dauern wird.

Natürlich führt das nicht dazu, dass sie aufhört zu weinen und fröhlich spielen geht sondern dazu, dass sie noch viel schlimmer weint und ich mich auf der Stelle ganz furchtbar fühle. Ich trockne meine Hände ab, geh vor ihr in die Hocke und entschuldige mich. Frage sie, was sie hat. Ob sie müde ist? Nein. Ob sie Hunger hat? Nein. Ob sie schmusen will? Nein. Ob sie traurig war, als alle Kinder abgeholt wurden nur sie nicht? Ja *schluchz*. Ich fühle mich natürlich ganz schrecklich und habe meine Tochter und ihre Empfindungen mal wieder gründlich unterschätzt. Mit dem Wissen konnte ich dann auch wieder meinen eigenen Stresspegel vergessen und mich auf das Wesentliche konzentrieren, der Elfe erklären, dass ich sie nicht absichtlich vergessen habe und es mir leid tut. Dass sie aber keiner Angst haben muss, weil ich sie niemals ganz vergessen werde und immer irgendwann komme um sie zu mir zu holen.

Worum es aber eigentlich geht ist dieser Kontrollverlust. Ich möchte sie nicht anmeckern, -brüllen oder -schreien. Ich hasse es, wenn ich mich selbst so wenig im Griff habe. Aber Tage wie diesen Mittwoch gibt es einfach, da steckt man nicht mal unbedingt drin, das passiert mit einem. Und auch mit dem Kind, sie hatte schließlich auch einen ungewöhnlichen Tag, der nicht so verlaufen ist, wie sie es gewohnt war.

Deswegen versuche ich immer wieder, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass Brüllen rein gar nichts bringt. Ich habe es noch nicht einmal erlebt, dass mein oder irgendein anderes Kind nachdem es angebrüllt wurde sagte "ok, Mami, dann geh ich jetzt ganz ruhig und zufrieden spielen". Maximal kann man wahrscheinlich erreichen, dass ein Kind mit der Zeit eingeschüchtert verstummt und seine Bedürfnisse in Zukunft für sich behält und das ist wirklich das Allerletzte, was ich für die Elfe will.

Also versuche ich in einer solchen Lage ganz ruhig zu werden und die Elfe zu fragen, was sie möchte. Mittlerweile bekommt man von ihr echt verständliche Antworten und sobald das Problem erkannt ist, ist es eigentlich schon so gut wie gelöst. Andere brenzlige Situationen ergeben sich häufig, wenn wir es eilig haben und sie nicht angezogen werden will, aber auch dann kommt man bei ihr mit Ruhe und Geduld wesentlich weiter und auch früher aus dem Haus. Ein kleiner Trick meinerseits ist dann, sie die Kleidung selbst wählen zu lassen oder besonders beliebte Stücke raus zu suchen. Das Barbapapa-Shirt oder eine Hose mit Taschen (Taschen sind zur Zeit arg beliebt).

Ich glaube nicht, dass mir sowas nie wieder passieren wird, aber ich schaffe es immer besser mich selbst zu regulieren und das reicht mir fürs Erste.

Wie ist das bei euch, kennt ihr solche Situationen? Wie verhindert ihr es, dass ihr eskaliert?

Dieser Beitrag ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts von Rachel von mamadenkt.de. Sie stellt einen Survival-Blog-Artikel für Mamas und Papas zusammen, mit dem wir solchen Momenten vielleicht besser begegnen können. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

Edit (04.06.15): Das NotfallSurvivalKit ist nun online und ich danke Rachel für ihre Idee und das Zusammentragen der Beiträge. Da ist wirklich eine schöne Sammlung an Tipps entstanden und ich finde es toll, Teil davon zu sein. Dankeschön!


Kommentare:

  1. Oh ja, das kenne ich leider auch mit dem Anblaffen und fühle mich danach so schlecht :(
    Leider funktioniert dein Link nicht. Wie heißt die Seite? www.mamdenkt.de? Da bekomme ich nämlich eine Fehlermeldung....

    Liebste Grüße,
    Hanna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, danke fürs Aufmerksam machen. www.mamadenkt.de ist der richtige Link, ich hab es korrigiert.

      Ich glaube, das mit dem Anblaffen kennt jeder von uns. Und das schlecht fühlen auch. Es hilft hoffentlich zu reflektieren und ruhiger zu werden.

      Lieben Gruß
      Natascha

      Löschen
  2. Ich hasse es, wenn meine Stimme so unkontrolliert laut wird. Wie gesagt, das Thema beschäftigt mich nun schon seit einer Weile. Und ja, unsere Familiensituation ist die vergangenen Wochen und Monate, sagen wir, besonders gewesen. Doch über das schlechte Gewissen half mir das nicht wirklich hinweg.

    Umso mehr taten mir die Kommentare von euch anderen Mamas sehr gut. Zu wissen, mir geht es nicht allein so und die ein oder andere Idee zu bekommen, was da gerade passiert.

    Ich habe das alles erstmal für mich reflektieren müssen und komme zu ähnlichen Schlüssen, wie du. Meist hat Fremdbestimmung und bestimmte Umstände viel mit dem außer Kontrolle geraten der Situation zu tun. Ich versuche dem einfach häufiger entgegenzuwirken.

    AntwortenLöschen