Donnerstag, 9. Juli 2015

Mein neues altes Ich

"Du hast dich durchs Mama sein auch arg verändert, nicht wahr?"

Diese Frage hat mir kürzlich eine liebe Freundin gestellt, die ich ehrlich gesagt nur übers Internet, aber dort dafür schon eine gewisse Zeit kenne. Sie hat das gar nicht böse oder wertend gemeint, sondern ehrlich und feststellend. Und sie hat recht. Mehr als sie ahnt und auch doch wieder nicht.

Ich bin ich, ich bin immer noch das Mädchen, dass ich als Teenie war und immer noch das Schmuddelkind, welches auf Krach statt Musik steht. Ich bin sentimental und emotional, ich bin laut und ich bin ganz leise.

Aber natürlich verändern die Zeit und vor allem die Lebensumstände mich. Ich bin mit 22 mit meinem Mann zusammen gekommen und dabei ein Stück weit angekommen. Ich musste nicht mehr rastlos nach dem Einen suchen, täglich bzw. jede Nacht unterwegs nur um nicht alleine zu sein. Ich habe in ihm und mit ihm Ruhe gefunden bin zur Ruhe gekommen, konnte aufatmen. Eine gemeinsame Zukunft träumen und in sie eintauchen.

Wir sind gemeinsam erwachsen geworden, haben ein Haus gekauft, geheiratet und dann ganz klassisch beschlossen, ein Kind zu bekommen. Ich wurde sofort schwanger und damit begann wohl die größte Veränderung in und an mir seit der Pubertät. Körperlich aber auch emotional. Ich habe angefangen nachzudenken. Über alles worüber ich vorher nie nachgedacht habe. Ich hinterfrage Dinge, die mein Leben lang selbstverständlich waren. Verstehe Vieles und vor allem mich selbst besser.

Und das zieht sich dann so durch alle Lebensbereiche. Ein Beispiel?

Ich beschloss schon in der Schwangerschaft, es mal mit Stoffwindeln zu versuchen und habe einfach ein Set gekauft. Beim Stöbern und Lesen bezüglich der Stoffwindeln kam ich dann irgendwie zum Thema "windelfrei". Als ich mich dann Monate nach der Geburt darauf einstellte eventuell bald meine Periode wieder zu bekommen, brachte mich eine liebe Freundin auf das Thema Menstruationstasse. Klar, wieso mein Kind in wunderbar weichen Stoff statt Wegwerfartikel hüllen und selbst weiterhin Müll produzieren und nichtmal wissen, was man sich da in den Körper befördert. Und so kommt es, dass ich zufriedene Rubycup - Besitzerin bin und sogar ein paar selbst genähte Stoffbinden habe.

Versteht ihr, was ich meine? Ich fange hier an über ein Thema nachzudenken und lande Monate später bei etwas völlig anderem, aber ausgelöst durch das erste Thema.

Aus den selben Gründen

- benutze ich kaum noch Hygieneartikel mit Schadstoffen
- lese ich die Inhaltsstoffe von eigentlich allem durch, was ich kaufe
- versuche ich keine "billige" Kleidung mehr für mich und die Elfe zu kaufen (entweder gebraucht oder selbst genäht)
- will ich in Zukunft hauptsächlich Bio-Stoffe vernähen
- sage ich nicht mehr "schwul" oder "behindert" oder ähnliches, wenn ich etwas doof finde (Ja, das habe ich gemacht, total daneben, ich weiß, aber ich habe da nie drüber nachgedacht und ja auch das finde ich arg schlimm!)
- wünsche ich mir, wir hätten unser Haus etwas ökologischer saniert
- ...
- ..
- .

Ihr seht wohin das führt und was ich meine? Und diese Liste ist lange nicht vollständig und nein, ich packe es auch nicht, dass alles ganz streng durchzuziehen. Und ja, es gibt noch massig Bereiche in unserem Leben (Ernährung zum Beispiel), die alles andere als ökologisch oder nachhaltig oder gesund sind.

Ich will mit diesem Artikel auch gar nicht darauf hinaus euch zu sagen, was richtig und was falsch ist, sondern eigentlich nur darauf, dass ich mich verändert habe. Das habe ich und ich bin froh darüber. Auch wenn mir diese vielen Gedanken oft über den Kopf wachsen und ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, meine kleine Welt besser zu machen. Ich möchte nicht mehr aufhören es zu versuchen. Für sie...


Weil sie es verdient hat!

Kommentare:

  1. Das hast du ganz, ganz, ganz wunderbar geschrieben <3

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    1. Danke, du Liebe <3. Ich fand es beim Schreiben irgendwie wirr, konnte es aber auch nicht besser sortieren.

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  2. Du sprichst mir aus der Seele! Und ich finde es gar nicht wirr, kann gut nachvollziehen, was du meinst.
    Ich staune auch, wie schnell ich mich zum "Öko" oder "Hippie" entwickelt habe, die ich früher so verachtet hab. :-)
    Liebe Grüße,
    Franzi

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    1. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich ändern kann. Wobei ich mich schon immer eher mit alternativeren Menschen umgeben habe. Ich empfand mich selbst aber nie so.

      Liebe Grüße
      Natascha

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  3. :D :D Na wer das wohl war *lach*

    Obwohl ich noch nicht Mutter bin, hat sich mein Leben auch um 180° gedreht, seitdem ich fest und so richtig und mit viel Liebe vergeben bin. Ich war auch das Discomädchen, immer auf der Suche nach der großen Liebe und irgendwie, ist man aber immer an die Falschen geraten, weil man vielleicht falsche Prioritäten gesetzt hat. In den 7 J. die wir nun zusammen sind, habe ich mich stark verändert und auch der Wunsch nach einem Kind ist nun da, was ich mir damals null vorstellen konnte.

    Ökologisch denke ich aber gar nicht :) Find es aber klasse, dass jede/r seinen Weg findet mit seinem Kind und der Welt umzugehen.

    Toll geschrieben!

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    1. Und du wirst deinen ganz eigenen wundervollen Weg finden, davon bin ich überzeugt :-*

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  4. Ich weiß genau was du meinst und mir geht es da sehr ähnlich wie dir!

    Liebste Grüße,
    Hanna

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    1. Es scheint viele Menschen zu verändern, wenn man Kinder bekommt. Irgendwie auch logisch, das ganze Leben verändert sich schließlich.

      Liebe Grüße zurück
      Natascha

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